Kritiken:

 

Poesie & Postmoderne Arschlöcher

 


 

HNA Kassel Kritik Wortfront

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Lippstädter Tageszeitung "Der Patriot" 14.09.07

 

LIPPSTADT: Wortfront begeisterte beim Wortfestival mit einer bezwingenden
Mischung aus literarischem Chanson, HipHop, Kammermusik und Elektropop
Fast versteckt stehen sie im Dunkel auf der Bühne, während ein Metronom unerbittlich vom Verstreichen der Zeit kündet. „Ich brauche Zeit, um noch so viel zu probieren, denn wenn ich schon mal hier bin, will ich doch auch was riskieren“, singen Sandra Kreisler und Roger Stein in „ZeiT“, dem Eröffnungslied ihres Programms .
Und sie probieren eine Menge aus an diesem Abend. Nach dem stimmungsvoll-verhaltenen Anfang ändert sich der Ton völlig, wenn die beiden in den bitterbösen Song „Postmodernes Arschloch“ einsteigen.
Melancholie und fröhliche Aggression, das sind die Pole, zwischen denen sich die Gruppe Wortfront virtuos bewegt.
Das live durch Johannes Krampen (Geige) und Rouven Schirmer (Violoncello) verstärkte Duo gehört sicher zu den aufregendsten Gästen des diesjährigen Wortfestivals. Das Publikum im Lippstädter Stadttheater ließ sich am Mittwoch schnell von der ebenso innovativen wie bezwingenden Mischung aus literarischem Chanson, HipHop, Kammermusik und Elektropop in den Bann ziehen. Die Bandbreite reichte dabei von hochenergetischen, treibenden Nummern wie dem brillanten „Söldner der Gegenwart“ bis zur elegischen Ballade „Sommerkind“.
Kabarett ist das, was die Tochter der Wiener Chanson-Legende Georg Kreisler und ihr Lebensgefährte, der Autor, Komponist, Sänger und Pianist Roger Stein, machen, sicher nicht, aber Ironie spielt bei Wortfront dennoch eine zentrale Rolle. Scharfzüngig spießen Sandra Kreisler und Roger Stein in ihren Liedern den Geist der Zeit auf. Einer Zeit, in der wohl jeder ein bisschen ein postmodernes Arschloch sein muss, um zu überleben: „Ich hab ein Ego, das
auf Flügeln wie Red Bull schwebt. Loyalität, deren Wert gegen null strebt/Bleibe relativ und halt die Augen offen in Bezug auf ein Betrifft - doch ich bin niemals selbst betroffen.“
Was das Ende jeder Verbindlichkeit mit dem Einzelnen macht, wird in dem todtraurigen Lied „Kein Beweis“ deutlich. Es geht unter die Haut, wenn Sandra Kreisler singt: „Bleibe in Bewegung - egal was auch passiert. Irgendwer hat dich als Verlust bereits einkalkuliert.“
Doch so bitter diese Bestandsaufnahmen aus dem beschädigten Leben auch sein mögen, ein Abend mit Wortfront ist alles andere als deprimierend oder trist. Dafür sind die beiden Frontleute viel zu mitreißend und vital, die Texte zu witzig und pointiert.

 

Kieler Nachrichten Sept.07
Der polarisierende Titel des Programms stellte schon im Vorfeld klar, dass es an diesem Abend keine weichgespülte Bühnenberieselung geben würde. „Lieder eines postmodernen Arschlochs“. Das sitzt. Im dicht gedrängten Lutterbeker loteten Sandra Kreisler und Roger Stein mit ihrer Band Wortfront in zwei Stunden sämtliche Extreme aus und gingen bezüglich Anspruch, Inhalt und Wirkung auf eine furiose Berg- und Talfahrt. Ein
einzigartiger Trip, bei dem sie sich ungeniert an Elementen aus Hip- Hop, Kammermusik und Chanson bedienten.
In dunklen Trenchcoats betritt das Duo die Bühne. Sie die Tochter des Wiener Kabarettisten und Zynikers Georg Kreisler, er studierter Germanist, Opernsänger und Komponist. In Begleitung von Cello (Rouven Schirmer) und Geige (Johannes Krampen) kombiniert die Formation Gesang, Klavier, Streicher und Laptop – eine höchst ungewöhnliche Besetzung.
Gepaart mit Sprachwitz und Melancholie verschmilzt alles zu einer innovativen, teilweise auch heterogenen Klangcollage. Die beiden Wortfront-Aktivisten nutzen die Reimkultur der Rap- Musik und ihre sprachrhythmischen Möglichkeiten, konterkarieren und verstärken im Zusammenspiel mit den Streicherarrangements die entlarvenden und scharfsinnigen Texte. Texte, die zielgenau in das Herz des urbanen Lebens im 21. Jahrhundert treffen, indem sie respektlos und humorvoll sind, mitunter böse und voller heimlicher Liebe zu den menschlichen Schwächen. Die deutsche Sprache wird genüsslich seziert, in ihre Bestandteile aufgespaltet und neu zusammengesetzt. Vor allem der Titelsong Postmodernes Arschloch legt schonungslos das Missverhältnis von beruflicher Selbstverwirklichung gegenüber dem monatlichen Überlebenskampf
am Arbeitsmarkt frei. Credo: Die Welt ist schlecht, der Mensch durchtrieben und der Tod die nahe liegende Option. Scheitern als Chance.

Live-Premieren von Stücken des kommenden Albums Von Vorn mit Anlauf demonstrieren die zwei Gesichter der Kreisler: Bisweilen sehr intim, harmonisch und beinahe schüchtern im Rampenlicht, kann sie aber auch ganz anders. Mit scharfer und giftiger Zunge schießt sie dann eindringliche und direkte Wortpfeile ab, scheut keine Konfrontation und posiert ohne Blatt vor dem Mund beziehungsweise einem Feigenblatt vor den Genitalien.
Erholung bringen die Intermezzi der beiden hervorragend aufeinander eingespielten Streicher und die aufrichtigen Chansons, in denen Liebe als unsere letzte Zuflucht dient. In der ältesten Firma der Welt, dieser zweisamen Wir-AG und Klein-GbR, können wir alle versuchen, nicht zu Beifahrern der
Belanglosigkeit zu mutieren. Ein klarer Widerspruch zur allgegenwärtigen Comedy-Übersättigung, ein klares Ja zum Leben. Das Publikum im Lutterbeker ist begeistert.

 

Savoy-Theater Düsseldorf
Der klassische Chansonnier kommt ja gewöhnlich mit Klavierbegleitung daher. Oder mit einer Gitarre vorm Bauch. Dann heißt er meistens Liedermacher. Vielleicht auch mal mit einem Trio, oder wenn es etwas moderner sein soll, mit Band. Das ist natürlich ein Klischee, aber gerde deshalb stimmt es meistens.
Wobei WORTFRONT komplett gegen das Klischee gebürstet daherkommt. Davon konnten sich die Besucher der WDR 4-Veranstaltung "Chansons und Lieder-liches live" am Sonntag im Savoy-Theater in Düsseldorf überzeugen. Sandra Kreisler, Tochter des Wiener Zynikers Georg Kreisler und Roger Stein, gebürtiger Schweizer und "gelernter" Wiener brachten die für dieses Genre höchst ungewöhnliche Besetzung Gesang, Klavier, Cello, Geige und Laptop auf die Bühne. Kammermusik und Elektropop, Wiener Lied und Hip-Hop, Sprachwitz und Melancholie verschmolzen zwei furiose Stunden lang zu einer ungewöhnlichen Klangcollage. Inhaltlich zielte das Programm mit dem Titel "Lieder eines postmodernen Arschlochs" auf die Befindlichkeiten der modernen industrialisierten Welt, auf die Spaßgesellschaft und ihre "Beifahrer der Belanglosigkeit". Musikalisch wurde dieses mit von elektronischen Klängen konterkarierten, unglaublich ausgefeilten Streicher- und Klavierarrangements unterstützt. Dabei setzten Sandra Kreisler und Roger Stein in ihrem Gesang überwiegend auf die wortlastige Reimkultur der Rap-Musik und ihrer sprachrhythmischen Möglichkeiten. Das klingt anstrengend, aber immer, wenn die Konzentration bis aufs Höchste gefordert schien, boten die beiden eine kleine, chansonhafte Miniatur, ein melancholisches Liedchen oder ein kurzes Intermezzo der beiden hervorragend aufeinander eingespielten Streicher. Abgründiges wechselte mit Leichtfüßigem, Scharfzüngiges mit Lustigem - so z. B. wenn Roger Stein als "Klischeeschweizer" auftritt, dennoch bleibt trotz der oft drastische-direkten Sprache der Respekt vor dem Menschen immer gewahrt. So spielten sie souverän und auf durchgehend recht hohem Niveau mit Spannung und Entspannung, mit Betroffenheit und befreienden Lachern.
WDR4 Online, (03/07)


Hamburg/Norderstedt Sept.06

Schon mit welcher Wolllust sie das Lied "Ich bin ein postmodernes Arschloch" singt, ist herausragend. Sandra Kreisler brachte auf der Kleinkunstbühne von Norderstedts Stadtkabarett "Die Thespisnarren" in der "TriBühne" das Mikrofon zum Glühen. Auch ihre Partner Roger Stein, die Violinistin Margolaine Locher und Cellist Rouven Schirmer begeisterten die rund 80 Zuhörerinnen und Zuhörer mit schwarzen Chansons, bissigen Texten und ausgefeiltem Spiel auf Geige, Cello und Keyboard.
Kreisler und Stein zerren geradezu den menschlichen Bodensatz mit drastischen Texten zu melancholischen Melodien ans Tageslicht. Mal geht es um die Neurosen der Männer ("Alles nur Schwanzersatz"), mal um Huren und andere Heilige ("Marie, in deiner Haut will niemand stecken") und um unliebsame Zeitgenossen ("Stirb, bevor es zu spät ist").
Beide sind Meister der theatralischen Inszenierung. Texte, Kompositionen und Arrangements schrieb Stein passgenau auf Kreislers Ausstrahlung und Stimme. Geige und Cello verstärken die Inhalte der Lieder mit eigenwilligen Kompositionen, die zwischen HipHop und Klassik, Rap und Romantik alle Stilmittel nutzen.
Doch nicht nur lästerliche Kabarett-Töne tischt das Berliner Ensemble auf. Sandra Kreisler, Tochter des Kabarettisten und Dichters Georg Kreisler, beweist in den ernsten, nachdenklichen Liedern Steins einen klaren Charakter und Liebe zu den Menschen ("Du weißt, Du kannst nicht fliegen").
"Roger ist Autor und Komponist, ich bin Lektorin und Dramaturgin", sagt Kreisler. Die Ideen für neue Lieder kommen in allen Situationen. "Wenn ich sie umsetze, nehmen sie oft eine ganz andere Eigenart an, als ich es wollte", sagt Stein. Das Quartett ist ein Erlebnis!



WDR3
An der Feiertagsfront

Das etwas andere Weihnachtsalbum
Von Alexandra WachDie Wiener Diseuse Sandra Kreisler und der Schweizer Multi-Instrumentalist Roger Stein haben etwas gegen falsche Betulichkeit. Als neue Formation "Wortfront" haben sie dieses Jahr ein beeindruckendes Chanson-Debüt vorgelegt und sind direkt mit dem "Preis der deutschen Schallplattenkritik" belohnt worden. Der kämpferische Name des Duos ist dabei Programm: Die Texte sind respektlos, mitunter böse un
d voller heimlicher Liebe zu den menschlichen Schwächen. Ihre aktuelle CD "Penetrant besinnlich" ist eine scharfzüngige Reflexion über das Jahresendfest und ein musikalisch überraschender Begleitkommentar zum alljährlichen Weihnachtstrubel.Das Album "Penetrant besinnlich" ist bei Extraplatte erschienen.WDR3 - Online

 


Kulturwoche
Wortfront - Penetrant Besinnlich

Ironie, Zynismus oder Realität?
Weihnachten nervt Sie? Dieser kommerzialisierte Konsumrausch geht ihnen auf die Nerven und Sie können weder den Weihnachtsmann noch das Christkind ohne ein nachhaltiges Anschwellen der Zornesadern sehen? Weihnachtslieder von Billy Idol bis Anna Netrebko (wird auch noch kommen) empfinden Sie als akustische Umweltverschmutzung? Hosianna, Ihnen kann geholfen werden!
Herz- und schmerzfreie, von jedweden Kitsch befreite Lieder mit einer gehörigen Portion Ironie und sanftem Zynismus liefern Sandra Kreisler und Roger Stein, die etwas anderen Lieder zur fröhlich besinnlichen Weihnachtszeit.
Was anfangs den Duft von Lebkuchen verströmt entwickelt sehr schnell den Geruch nach Realität und tut den weihnachtlich zugekleisterten Ganglien äußerst wohl.
Bereits das Vorgängeralbum von Wortfront erhielt den Preis der deutschen Schallplattenindustrie und hielt sich monatelang auf den vordersten Plätzen der Liederbestenliste. Betitelt war es übrigens „Lieder eines postmodernen Arschlochs“. Ein besinnliches Lächeln kann man sich bei so einem Titel wohl kaum verbeißen.
Zurück zu Weihnachten: Die Lieder/Songs HipHoppen, die Texte sind abgründig und alles zusammen macht einen Heidenspaß. Anfang des kommenden Jahres sind die beiden übrigens auf Österreichtournee, Termine folgen noch. (akro)
Musik: @@@@
Text: @@@@@@
Klang: @@@@@
Label/Vertrieb: Extraplatte (2006)

Aus: Kulturwoche.at


Grenz-Echo – (31.10.2006)

Die BRF-Liedernacht ging in die 21. Runde
Hochkarätige Gruppen und wortgewaltige Lieder


Wortfront wurde vom Publikum erst nach mehreren Zugaben von der Bühne entlassenVon Elli BrandtDie BRF-Liedernacht ging in die 21. Runde. Mehr als vier Stunden Musik, drei hochkarätige Gruppen undLieder von wortgewaltig und provokant über poetisch und frech bis zur gesungenen und erzählten Satire zu brisanten Themen hatte der Liedermarathon im Jünglingshaus am Samstagabend zu bieten.Ein Doppelmarathon hätte es werden können, wäre es nach den Zuhörern gegangen. Bereits die erste Gruppe, »Wortfront«, wurde lautstark aufgefordert, noch eine und noch eine Zugabe zu geben. Dabei ging es in den Liedern gar nicht um etwas Erbauliches. »Wir sind Beifahrer der Belanglosigkeiten« teilte Sandra Kreisler dem Publikum mit.Im Duett mit Roger Stein kam das geschundene Herz der postmodernen Zeit zu Wort. »Mich trifft kein Sonnenschein, du lässt ja keinen rein«, kl
agte das pumpende Organ. Und es gab noch mehr traurige Geschichten, vor allem für diejenigen, die glanzvollen Handys nachjagen oder sich von ihrem Pitbull durch die Gegend ziehen lassen: »Alles nur Schwanzersatz, aber er wird dadurch nicht länger. Hänger bleibt Hänger«. Fast konnten einige zustimmen, als es hieß: »Stirb bevor es zu spät ist«. Umgestimmt wurden sie durch das Gesangssolo von Roger Stein. Den Weihnachtsmann gibt es nicht und auch nicht den Osterhasen, meinte er zwar. »Nur manchmal glaub ich noch ein bisschen daran, woran ich schon so lange nicht mehr glauben kann.« Die Zuschauer schwärmten: »welch eine Stimme, welch ein Timbre.«Witzige Wortspiele eingebettet in provozierende Philosophie, poetische Passagen und mal im Hintergrund, mal Solo Violine, Cello, Klavier unterstützt von Klängen aus dem PC in einem Mix aus Klassik und Hip-Hop. Die Texte und die Musik stammen aus der Feder von Roger Stein, und auf der CD »Lieder eines postmodernen Arschlochs« sind sie vertreten. Eine Bemerkung am Rande, meinte Liedernachtmacher Hans Reul und erzählte, die Österreicher hätten sich an dem Wort »postmodern« gestoßen. Die Deutschen hätten gemeint: Arschloch, das sagt man nicht. Seit rund fünf Jahren sagen Sandra Kreisler und Roger Stein was sie denken. »Lieder eines postmodernen Arschlochs« wurden mit dem Vierteljahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. »Mehrere Monate war Wortfront in der Liederbestenliste vertreten«, sagte Hans Reul.Mit großem Applaus wurde »Wortfront« verabschiedet.
Grenz-Echo Online-Ausgabe


Erlanger Nachrichten, 15.Mai 06Zwischen Wortbeat und Kammermusik
„Wortfront“ überzeugte im „Fifty“


„Ich hab ein Ego, das auf Flügeln wie Red Bull schwebt, Loyalität, deren Wert gegen Null strebt. . .Bin Consulter und Gestalter und Kreativ-Verwalter . . .ein zeitgemäßer Prototyp und Ersatz-Platz-Halter.“ Da wegen des provokanten Programmtitels „Lieder eines postmodernen Arschlochs“ etliche vorab urteilende Zuschauer ihre Karten wieder stornieren ließen, wurde nur ein kleines Häufchen Theatergänger für seine Bereitschaft zum Restrisiko belohnt: Die Wiener Formation „Wortfront“ präsentierte im „fifty fifty“ eines der philosophisch-intelligentesten und zeitgeisttreffendsten Musikkabarettprogramme der letzten Zeit.Hätten sie im Titel brav
angegeben, dass sie Lyrikvertonungen für die Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft durchführen, etablierte Dauergäste der Wiener Kunstszene sowie mehrfach preisprämiert sind, wäre das Erlanger Poetenfestpublikum herbeigeströmt und auf seine Kosten gekommen. Doch auf provokativ-avantgardistische Ankündigungen lässt sich das Prinzip der hugenottischen Strenge offenbar nicht ein . . .Jedenfalls führt Sandra Kreisler, Tochter der schwarzhumorigen Chansonlegende Georg Kreisler, das gesellschaftskritische Werk des Vaters nun zusammen mit ihrem Schweizer Lebensgefährten Roger Stein als Gesangsduo fort: Diesmal mit aktuellen Texten und Kompositionen von Stein. Dieser singt und spielt am Flügel, Kreisler singt und begleitet werden beide von einem furiosen jungen Kammermusikduo sowie einem elektronischen Halbplayback-Soundteppich, der den Kreis von Wortbeat, Chanson, Kammermusik und Klangcollage komplett macht.

Geigerin Lucia Hall und Cellist Arne Kircher stellen beispielsweise ihre virtuosen HipHop-Inventionen vor, denen etwas Rasant-Düsteres anhaftet.


Die CD-Rezension: „Lieder eines postmodernen Arschlochs“
Lieder aus der psychischen Kälte einer Großstadt. Fritz Langs Metropolis-Stimmung scheint alles zu beherrschen. Und doch: In der Maschinenwelt, im treibenden Hip Hop- und Technosound sucht der Einzelne, sucht der Mensch Wege, Fluchten, Schlüssel zum Sein. Ein textintensives Staccato, ein Kaleidoskop der sensiblen Empfindungen, gefesselt im Sekundenschlag der „Zeit“ (erster Titel), im Pulsschlag des Lebens („Herz“, letzter Titel). Klavier und Cello als Kontrapunkte gegen die Verallgemeinerung des Individuellen – Hoffnung und Zuversicht mit den akustischen Instrumenten.
Roger Stein, ein sensibler Suchender wird feinfühlig unterstützt von Sandra Kreisler. Beide erforschen, erspüren und (er)finden sich (wenigstens teilweise) im Wirrwarr des Molochs Großstadt, im Nirwana zwischen Perspektivlosigkeit und brutaler Anpassung: „Notausgang“, „Söldner der Gegenwart“, „Schwalbe“, „Erst einen Kaffee“, „Beifahrer der Belanglosigkeit“, „Postmodernes Arschloch“
Sanfter kammermusikalischer Hip Hop Rap prägt den Großteil der Produktion. Und doch ist Roger Stein genauso ein Melodiker, ein Romantiker der Musik, zu Hause ebenso bei Bach wie bei Satie („Hip Hop Invention Nr. 6“ und „Hip Hop Invention Nr. 9“, zweitere mehr eine Harlekinade über eine Invention) – und er hat das staunenswerte, bewundernswerte Talent für große, echt gute Popballaden: „Herbstmanöver“, „Kein Beweis“, „Sommerkind“ (ein Lied wie ein Geheimnis!), auch beim „Beifahrer der Belanglosigkeit“. „Wortfront“ regt zum Weiterdenken an, „Wortfront“ lässt den Hörer mitten in der Großstadt schweben, träumen, phantasieren. Der dunkle Grundton des Beihefts unterstreicht die Klaustrophobie der Zeit, in der diese Produktion entstand (Anfang 2006). Eine hörens- und überhaupt entdeckenswerte Alternative zum Mainstreampop der Gegenwart!
Alexander Kinsky
http://www.hinter-den-schlagzeilen.info/


Westfälische Rundschau – 13. Feb. 2006
"Erst mal ein Kaffee"

„Bravorufe und Jubel. Zugabe um Zugabe
forderten die begeisterten hammer-Gäste.
"Wortfront" - das sind Sandra Kreisler
(Gesang und Gesamtleitung), Roger Stein
(Gesang, Texte, Musik), Lucy Hall ( Geige)
und Arne Kircher (Cello). Die
melancholische Musik zwischen Klassik,
HipHop und Chanson, gespick
t mit
elektronischen Effekten, überraschte und
verzückte. (...) Die "Lieder eines postmodernen Arschlochs" erzählten von
jung-dynamischen Besserwissern voller Eigeninitiative. Von
Marie, die rauchte und trank und sich ganz ungeniert im Schritt
kratzte. Sie sprachen von der Ehe, der "Klein GbR, die die
Rasse Mensch erhält". Wortgewandt spielten sie mit den
Stimmungen der Zeit. Humorvoll, selbstironisch, melancholisch
aber nicht pessimistisch. Da folgt auf die hochtrabende Litanei, was man alles tun sollte,
die Frage nach dem, was man will: "erst mal ein´ Kaffee". Auf
dem Weg aus dem Jammertal erscheint die
Bedienungsanleitung als emotionaler Höhepunkt: "Ich
gratuliere Ihnen zum Kauf dieses Produkts." Die Alternative,
"Werde Fußgänger von Beruf", schön langsam, alles andere ist
unprofessionell. (...) 12.02.2006 Von Dana Risse




Wortfront - Schaufenster

 



Visionae
- (Dez 2006)

"Penetrant Besinnlich" ist schon jetzt CD des Monats in der deutschen Liederbestenliste. Ein Themenalbum rund um Weihnachten und Winter. Musikalisch bewegt sich das Album etwas mehr in Richtung Chanson, obwohl die
Popkultur nicht zu kurz kommt, und natürlich wurden auch wieder schamlos jede Menge Anleihen bei der klassischen Musik genommen - auch HipHop kommt nicht zu kurz.Roger Stein, 1975 in Zürich geboren, wuchs nach dem Tod des Vaters 1977 als Einzelkind allein mit seiner Mutter auf. Er erhielt seit dem 8. Lebensjahr eine klassische Klavierausbildung und studierte 1995 bis 2000 an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien klassischen Gesang.
Parallel dazu absolvierte er sowohl ein Studium der Theater- und Musikwissenschaft als auch der Germanistik an der Universität Wien.
2004 Promotion über “Das deutsche Dirnenlied”.
Roger Stein hat einen vielseitigen Weg zurückgelegt, der ihn von Germanistik & Theaterwissenschaft weg, zunächst als Sänger in Opernproduktionen verschlug, danach über die Musikalische Leitung bei verschiedenen Produktionen und diverse Kompositionen im Theater und Kabarettbereich schließlich bis zum Sprechgesang führte, dem heute seine grosse Liebe gilt.
Seit dem Jahr 2000 arbeitet und lebt er mit Sandra Kreisler zusammen, mit der gemeinsam nun WORTFRONT® gegründet wurde.

Nach dem Studium an der Amerikanischen Schule in Wien und Berlin nahm Sandra Kreisler Gesangsunterricht bei Kammersänger Walter Kreppel, Schauspiel bei Burgschauspielerin Dorothea Neff, und Rhetorik bei der bekannten ORF-Sprecherin Maria Piffl.
Seit 1982 regelmässig sowohl in Radio als auch TV ist sie gefragte bei Stimme Sendungen der Sparten Kultur, Aktueller Dienst, Dokumentation, Literatur, Wissenschaft und Religion mitwirkt. Zudem betreut sie zahlreiche Sendungen aus ebendiesen Sparten auch im TV als Sprecherin und Moderatorin und ist gefragte Werbe- und Synchronsprecherin. (Thomas Bernhard bezeichnete Sandra Kreisler als die „beste Stimme Österreichs“)Sie betreute Anfang der 90er Jahre die Radio-Talk Show "Talk Radio" und diverse Sendungen im Fernsehen als Moderatorin und Gastgeberin. Sie drehte zahlreiche Filme und TV-Serien für die USA, England, Italien, Deutschland und Österreich. So arbeitete sie in den letzten 14 Jahren mit namhaften Filmregisseuren wie Damiano Damiani, (RAI/2.Unitel) Dan Curtis (ABC International), Claus Peter Witt (ZDF/ Wolfgang Rademann), Peter Patzak oder Susanne Zanke (ORF).
In diesem Bereich arbeitete Kreisler gemeinsam mit Kollegen wie Ben Kingsley, Sir John Gielgud, Jane Seymour, Robert Mitchum, Caterina Valente, Klaus Wildbolz, Julia Stemberger und vielen anderen mehr.Im Theater und Musikbereich spielte Sandra Kreisler in den Jahren zwischen 1983 und 1994 zahlreiche ernste Stücke (Bauer, Bruckner, Tschechov, Euripides, etc.) aber auch Komödien, musikalische Revuen oder Kabarettprogramme.
Nachdem sie in mehreren deutschsprachigen TV Shows Auftritte hatte, kehrte Kreisler dem klassischen Wort-Theater endgültig den Rücken, und arbeitet, von Filmproduktionen abgesehen, seit 1994 ausschliesslich musikalisch und als Solokünstlerin, seit 2001 zusätzlich in Regie und dramaturgischem Bereich.
Seit 1994 ging Kreisler mit insgesamt 10 verschiedenen Solo- Chansonprogrammen auf Tourneen durch die USA sowie mehrmals durch Deutschland, die Schweiz, Kroatien, Spanien, Polen und Österreich.


DrehPunktKultur

CD-Kritik: Lieder eines postmodernen Arschlochs - Das neue Album     von "Wortfront"
(Sandra Kreisler und Roger Stein)
Wortfront - Lieder eines postmodernen Arschlochs

23.06.06 Kein schöner Titel, muss man schon sagen. Und doch verleitet er irgendwie sich den Liedern von Wortfront zuzuwenden und schnell zu verstehen, dass der Titel mehr als nur Programm ist. Wortfront ist die fruchtbare und dabei doch bipolare Mischung aus der samtweichen Stimme Sandra Kreislers auf der einen und dem harten und umbarmherzigen Wortschwall Roger Steins auf der anderen Seite. Was vor einigen Monaten mit dem Song "ZeiT" begann, hat sich zu einem ganzen Album gemausert und darf sich hören lassen.
In Berlin lebend und arbeitend haben sich Kreisler und Stein mit Wortfront inmitten von Modetrends, Zeitgeist und den oftmals dubios anmutenden Ausformungen menschlicher Charaktere angeschickt, diese unter die Lupe zu nehmen und deren Hilflosigkeit und Brüchigkeit wortgewaltig und schonungslos aufzudecken.
Kreisler, die über die vergangenen zwei Jahrzehnte viele Radiohörer, Fernsehzuschauer und Freunde des Chansons im deutschsprachigen Raum begeisterte und die sich seit März dieses Jahres nun auch Lale-Andersen-Preisträgerin nennen darf, erscheint in vertrauter Rolle der Chansoninterpretin, in gewohnt gekonnter Weise und setzt dem Vertrautem schmissig Gereimtes und dem Rap und HipHop entsprungenes Textgut in Dunkelgrauschattierungen – dem Namen ihres berühmten Vaters Georg Kreisler gerecht werdend - entgegen. Lyrik mit Kanten, wienerisch und/oder europäisch. Dazu rührt Roger Stein, freischaffender Autor und Komponist und für Wortfronts Text und Musik verantwortlich, eine kräftige Brühe aus satten Sample-Beats und bissfertigem Klassik-Sounds an, wofür er mit Séverine Ballon, Orfeo Mandozzi und Frederic Sigér zusätzlich drei namhafte Solisten gewinnen konnte.
Der Stoff der Lieder entspringt der so genannten Postmoderne und deren Protagonisten. Von Überforderung, Ängsten und Selbstverachtung getrieben im „Herbstmanöver“ tummeln sich in den Zeilen Roger Steins fiese Zeitgenossen, verlaufene Egoisten, „Söldner der Gegenwart“, „Beifahrer der Belanglosigkeit“. Die Melancholie regiert. Auf der Suche nach „ZeiT“ und „Herz“ gelangen Wortfront in humorvoller Selbstironie ein ums andere Mal an die Grenzen unserer vermeintlich bunten Welt: „Der graue Alltag hat uns hochgebracht, vielleicht ist der für uns das beste?“
Den Plattitüden des (deutschsprachigen) HipHops – einzig „Erst einen Kaffee“ hätte sich wohl einen besseren Refrain verdient – und der Süßlichkeit des Kammermusikalischen stets entweichend gelingt Wortfront eine überaus ansprechende und in ihrer Deutlichkeit fesselnde musikalische Begegnung mit ihrer Umwelt und unserer zeit. Brutal wie die Postmoderne und ungeniert wie ein Arschloch, hörenswert.
Oliver Baumann
Aus: DrehPunktKultur

 




Bockshorn - Würzburg


Sandra Kreisler - Bremerhaven


Wortfront im Lutterbeker




CD des Monats
der deutschen "Liederbestenliste"– Dezember 2006

Von Mike Kamp, Bad Honnef

Wir schreiben Dezember und da ist es einfach guter Brauch, eine Weihnachtsplatte zu empfehlen. Diese Tonträgerspezies anlässlich der alljährlichen Feier des christlichen Festes kam schon immer in den unterschiedlichsten Formen daher: vom schwülstig-kitschigen Gesülze über originelle, traditionelle Gesänge bis hin zu bitterbösen Beobachtungen unserer weihnachtlichen Unzulänglichkeiten und Exzessen. Wortfront zählen – welch Überraschung – eher zur letzteren Fraktion, obwohl sie sich nicht im Negativen verlieren. Sagen wir es so: Sandra Kreisler und Roger Stein vertreten weihnachtlichen Realismus.
Das Titelstück steht für das, was vielen am Fest stinkt, „Der Zug“ strahlt unausgesprochen die tatsächlich immer noch vorhandene melancholische Faszination jener Zeit aus und bei „Fridolin“ ist Sandra Kreisler einfach nur die makabere Tochter ihres Vaters. Musikalisch sitzen Wortfront klar, deutlich und stolz zwischen den Stühlen HipHop, Streicher-Klassik, Pop und Liedermacherei. „It's Christmas“ trägt alle diese Elemente in sich.
Onkel Paul und Tante Berta werden die CD „Penetrant besinnlich“ wahrscheinlich nicht mögen. Wir jedoch, die ach so aufgeklärten und dennoch immer wieder in die Weihnachtsfalle tapsenden Zeitgenossen, wir erkennen uns und unsere Umwelt wieder. Alle Jahre wieder.

www.liederbenstenliste.de


Neues Deutschland 21.12.06

Nicht unbedingt die reine Freude

»Penetrant besinnlich« besingen Sandra Kreisler und Roger Stein das Fest

Von Almut Schröter

Weihnachten ist für viele unangenehm. Das schummrige Getue greift die Nerven an. Die einen vermissen Behaglichkeit, weil sie allein dasitzen, wenn sich Familien zum Fest treffen. Andere mögen es nicht, weil ihnen blutsverwandte Menschen auf die Pelle rücken, denen sie das Jahr über erfolgreich aus dem Weg gegangen sind. Die Telefonseelsorge, der Berliner Krisendienst an gleich neun Standorten oder das Seniorentelefon sind für diese Kehrseite des Festes nicht von ungefähr hellwach. Aber Sandra Kreisler und Roger Stein werden wohl nicht dort anrufen. Sie haben sich mit der von ihnen arrangierten Wortfront-CD »Penetrant besinnlich« Frust und Trauer schon von der Seele gesungen – deutscher Pop mit ziemlich gemeinen Texten. Aber so ist das immer, dass irgendeiner plötzlich die Wahrheit sagen muss, wenn der gemütliche Teil beginnt. Das passiert prompt und sarkastisch im ersten von 13 Titeln mit »Weihnachten über Deutschland«.
Traurigkeit bringt Roger Steins »Dezember 95« nach einer wahren Geschichte über eine Mitschülerin, die bei ihren Börsen-Adel-Eltern alles hatte – nur keine Liebe. Sie starb einsam auf dem Bahnhofsklo. Ein Mörder erst im Finstern, dann bei Kerzenlicht, zwei Menschen »im Mittelfeld«, die gern etwas Besonderes wären, und schließlich die ganze Mischpoke, die jedes Jahr dasselbe redet. Aber diesmal nicht, weil »Onkel Fritz« – früher »ein solches Seelchen. Jetzt sucht man ihn mit Haftbefehlchen.« auf die Bahamas eingeladen hat. Doch die von Sandra Kreisler besungene Freude währt kurz. Sie will ihn hassen. Die ganze Familie hat er eingeladen. Alle!

 

 

 

 

 


 

 

 

 

© Wortfront 2008