Wortfront
Penetrant Besinnlich(Album)



Penetrant Besinnlich

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Wortfront – Penetrant Besinnlich
Album - Audio CD (2006)

Über den Schallplatten- oder den Buchhandel erhältlich – oder gleich hier über unsere Homepage bestellen.



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Titelliste

Weihnachten über Deutschland
Dezember 95
Jingle Bells
Onkel Fritz
Penetrant Besinnlich
Oh Tannenbaum
Fridolin
Nocturne
Der Zug
Marie
Its Christmas
Morgen kommt der Weihnachtsmann
Penetrant Besinnlich - Bonus Track



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Vertrieb: BrokenSilence
Vertriebstext:

Penetrant Besinnlich
Das zweite WORTFRONT-Album Penetrant
Besinnlich (2006) präsentiert 13 eigenwillige Songs zum Thema Weihnachten.
Penetrant Besinnlich ist ein Konzeptalbum, ein Weihnachts- und Winteralbum, das die
heimliche Melancholie mit Augenzwinkern auffängt und alle Vorbehalte gegenüber dem
Weihnachtsrummel mit Witz besiegt. Wieder mischen sich die Stile zwischen HipHop, Pop
und dem literarischen Chanson, und wieder wird der Tristesse des Alltags auf lakonisch
humorvolle Art und Weise begegnet.

"Chapeau! Spitzen-Album! Manchmal dachte ich schon, sowas gäbe es gar nicht mehr."
Deutschlandradio

"Roger Steins Sound hiphopt mit Poesie und Widerstand zugleich (...) sensibel und
brutal ehrlich zu sich selbst, ironisieren und sprengen sie den Zeitgeist."
Günther Wallraff

 

Texte:Weihnachten über Deutschland
Text & Musik: Roger Stein

Es ist Weihnachten über Deutschland
In allen Fenstern buntes Licht
Es ist Weihnachten über Deutschland
Die meisten Lichter glüh’n aus Pflicht
Es ist Weihnachten über Deutschland
Im Grund vergessen trüb und trist
Ich mag Weihnachten über Deutschland


Nur wenn es grau und ehrlich ist
Die Strassen atmen schwer unter zähem Stoßverkehr
So leer hängt mein Herz im grauen Menschenmeer
Woher kommen all die Lichter im Revier?
Du wolltest doch wohin und bleibst doch hier
Deine Träume traben noch immer hoch zu Ross
Doch die Wirklichkeit wohnt im Erdgeschoß
Die Obdachlosen stehen vor Aldi im Spalier
Und Dieter Bohlens Weihnachtslied ist Schuld dran, dass ich frier’.Es ist Weihnachten über Deutschland
Wie sich Kinderaugen freu’n
Es ist Weihnachten über Deutschland
Von der A1 bis zur A9
Es ist Weihnachten über Deutschland
Im Grund vergessen, trüb und trist
Ich mag Weihnachten über Deutschland
Nur wenn es grau und ehrlich istDie Türken fahren alle in den Süden jetzt nach Haus
Nur die deutschen Wohnblocks harren treu und tapfer aus
Wer will schon an den Strand, ich muss keine Sonne seh’n
Kann ich doch vom Fenster aus die Abfalltonne seh’n
Die bleibt da steh’n, bei Regen, Schnee und Wind
Sie steht da für so vieles, für die Art wie wir so sind
Du wirfst noch ein paar Wünsche auf das fahle Firmament
Doch uns’re Liebe bleibt am Ende nur FragmentDie Fernsehsender kotzen Kitsch, mit Superstars in Tüll
Doch ich steh auf das Grau von meinem Wohnsilo-Idyll
Deutschland ist so kahl und karg, wozu sich auch genier’n
Und wenn’s draußen schneit, dreh ich die Heizung ab
Denn ich will ehrlich frier’nEs ist Weihachten über Deutschland
Und die Zeit ist zäh wie Brei
Es ist Weihnachten über Deutschland
Aber das geht auch vorbei
Es ist Weihnachten über Deutschland
Wir sind vergessen, trüb und trist
Doch ich mag Weihnachten über Deutschland
Auch wenn es so ist, wie es ist.




Dezember 95

Text & Musik: Roger SteinIch kannte sie ganz gut noch von der Schule hier
Ich glaube sie war damals eine Klasse unter mir
Ihre Eltern Börsenadel, reich, aber richtig!
Mille plus oder minus war für die doch gar nicht wichtig
Hatten alles, wirklich alles, was ein Kind begehrt
Riesen Villa mit Teich, nen Hund und ein Pferd
Sie hat nie was entbehrt, hat sich um nie was geschert
Für sie war jeder Luxus locker nur ein Lächeln wertSie war beliebt und frech und ziemlich durchgeknallt
Hat ein bisschen gekifft, so wie jeder halt
Wir haben’s spät geschnallt und der Herbst war schon um
Und sie hing nur noch mit diesen blassen Typen rum
Dabei schien sie auf einmal erwachsen und alt
Ihre Blicke, ihre Augen wurden katzig und kalt
Es war klar, was sie braucht, und dass sie nicht bloß nur raucht
Und bald ist sie auch nicht mehr in der Schule aufgetauchtManchmal im Dezember, wenn ich fern die bunten Lichter seh
Manchmal im Dezember, schreib ich heimlich ihren Namen in den Schnee
.Die Nachbarn meinten: Früher war sie freundlich und so smart drauf
Im Dezember 95 war sie dann schon richtig hart drauf
Das volle Programm, die ganze Palette
Das Ende jeder Nadel in der Nahrungskette
Manche Menschen schaffen’s ja wieder aufzusteh’n
Doch ich glaub, es war ihr Wunsch, dabei draufzugeh’n
Vielleicht wollte sie auch nur, dass ihre Eltern mal kapier’n
Man kann nicht alle Seelenschäden  mit Kohle kompensier’nIst ja schon witzig, wie das Leben so spielt
Während der Vater an der Börse mit Derivaten dealt
Und nur hundert Meter von seinem Bonzen-Büro
Verreckt sein einziges Kind auf dem Bahnhofsklo
Die Sanitäter blieben locker, cooler Spruch sowieso
Und irgendwo „Last Christmas“ im Radio
Diagnose eins, zwo, - aber sonst gute Miene
Rapport: Überdosis – reine RoutineManchmal im Dezember, wenn ich fern die bunten Lichter seh
Manchmal im Dezember, schreib ich heimlich ihren Namen in den Schnee
.In der Zeitung gab es dann ein kleines Abschiedsinserat
Und der Pfarrer hatte Worte aus Papier parat
„In tiefer Trauer“ und so weiter, mit dem üblichen Blabla
Man wusste, dass es ihren Eltern ziemlich peinlich war
Kaum ein Jahr danach, so als wäre nichts passiert
Haben die sich dann zwei Kinder aus Brasilien adoptiert
Man muss die Taschentücher nicht mit zuviel Tränen netzen
Und wenn das eig’ne Kind kaputt geht, kann man’s ja ersetzenManchmal im Dezember, wenn ich fern die bunten Lichter seh
Manchmal im Dezember, schreib ich heimlich ihren Namen in den Schnee
.



Onkel Fritz
Text: Roger Stein, Musik: Bela KorenyZu Ostern gibt’s die Eier
Und zu Weihnachten die Feier
Man muss mit den Verwantschaftsfritzen
feierlich zusammensitzenUnd unterm grünen Tannenbaum                          
Wird er wahr, der böse Traum 
Da sitzt dann bei der Krippe                                     
Die gesamte fade Sippe                                          
                                                                                   
(Und) dann wir lang und breit erzählt
Was alle übers Jahr so quält
Onkel Paul die grosse Firma               
im Friaul die Tante Irma                              

Die viel zu hohen Hypotheken
Der Untergang der Früh-Azteken
Neffe Max der schlechte Shit
Nur Opa, der kommt da nicht mit                              

Und während sich die Gläser füllen              
Fragt sich jeder laut im Stillen              
Warum man überhaupt bekannt ist                              
Und wozu man bloß verwandt ist?     

Tante Berta berichtet heiß                                      
Was sie von den Nachbarn weiss                          
Cousinchen säuft nur Wein                                    
Und Opa, der pennt ein                    

Der einzige, der’s gut hat ist Onkel Fritz
Denn der sitzt in gelben Pyjamas
Vor dem Sonnenuntergang des Panoramas
Auf den Bahamas, auf den Bahamas Weil Onkel Fritz, der ursprünglich aus der Schweiz ist
Auf den die Schweizer Steuer leider leicht gereizt ist
Fritz war schon als Kind ein solches Seelchen
Nun sucht man ihn mit einem Haftbefehlchen         

Fritz hat’s gut – denn der ist weg
Nur ich sitz’ hier zu Haus im Dreck
In der Verwandschafts-Jauche                     
Die ich schon immer dringend brauche                                  

Ich frag mich in Verzweiflung stumm 
Wie komm ich um das Fest bloß rum
Ich sperr mich ein im Schrank            
Oder meld mich einfach krank              

Ich sage, dass ich Typhus hab
Doch das kauft mir keiner ab
Und was zählt schon so ne Grippe
Bei dem Weihnachtsfest der SippeDie werden mich doch täglich quäl’n
„Du darfst bei diesem Fest nicht fehl’n“
Und dann wird’s – das ist sonnenklar
So wie’s jedes Jahr schon warOnkel Paul hat immer Recht
Der Anna wird vom Kuchen schlecht
Und Berta weiss zwar, was „en vogue“ ist                               
Aber nicht, was Dialog istOma spricht von Gottes Güte
Neffe Max baut sich ne Tüte
Cousinchen ist vom Wein schon dicht                 
Und Opa mag sie alle nicht     Der einzige, der’s gut hat ist Onkel Fritz
Denn der sitzt in gelben Pyjamas
Vor dem Sonnenuntergang des Panoramas
Auf den Bahamas, auf den Bahamas

Doch Onkel Fritz hat seiner Nichte, der Lieben
– also MIR!!! – nen hübschen Weihnachtsbrief geschrieben
Er lädt mich nämlich herzlich zu sich ein
Was hab ich Riesen-Glückspilz nur für Schwein       
                    

Ach, ich kann’s noch gar nicht fassen
Was werden Die zu Haus erblassen
Dieses Fest wird wunderbar
Ich bin am Strand und gar nicht da Dort schreibe ich dann zuckersüsse
Feierliche Weihnachtsgrüsse
Dass ich alle herzlich küsse
Und die ganze Zeit vermisseIch sehe schon die Kerzenlichter                                                   
Hör’ die grünen Neidgesichter              
Mich bei Tannenbaum und Kuchen                                                    
alle insgeheim verfluchenTante Anna, die wird zucken
Sich am Kuchen gleich verschlucken
Onkel Paul wird wieder maulen
Von Moral und von Verfaulen

Und Tante Berta wird sich quälen
Die muss sich alles selbst erzählen
Oma weint nur: „ach so schade,
Warum denn nur jetzt gerade?“                                             
Cousinchen rülpst ganz leise
Und Opa findet’s Scheisse
Nur Neffe Max wird wenig schmoll’n
Der muss ja seine Tüten roll’n
           Und ich?

Ich seh mich schon am Strand mit Onkel Fritz                 
Wie ich sitz, in gelben Pyjamas
Vor dem Sonnenuntergang der Panoramas
Auf den Bahamas, auf den Bahamas

Dort sitz ich dann mit ihm in seiner Villa
Und trink den ganzen Tag nichts and’res als Tequila
Und  blicke auf das blaue Meer hinaus
Und denke an die Trotteln von zu Haus Ich freu mich so auf diesen Strand
und nehm’ den Brief noch mal zur Hand
und lese ihn noch mal Wort für Wort
Doch dann bleibt mir der Atem fort
So schnell kann jeder Traum verblassen
Ich  beginne, Fritz zu hassen
Denn ich les und werde matt:
Dass er alle die Verwandten,
Opa, Oma und die Tanten
Auch noch eingeladen hat!!!


Penetrant Besinnlich
Text und Musik: Roger Stein

Wenn die Flocken wieder fallen
Und die Glocken wieder schallen
Und ein Streichquartett spielt täglich Sonderschicht

Die ganze Welt macht leis auf weise
Und Du denkst dir heimlich Scheisse
Besinnlichkeit wird Wochen lang für jedermann zur Pflicht

Auf der Stiege riecht’s nach Braten
Und selbst für Todeskandidaten
Gibts in der Zelle einenWeihnachtsbaum mit Stern

Jeder Soldat kriegt noch ein Seifchen
Jede Kugel noch ein Schleifchen
Denn wir haben uns ja alle schrecklich gern

Ein paar Behinderte im Fernsehen
Ist es was die Leute gern sehen
Denen geht’s ja noch viel schlechter, wunderbar!

Wir sind zum Spenden gern bereit
Denn das beruhigt und befreit
Und dan sperren wir die Deppen wieder ein bis nächstes Jahr

Du schreibst süße Ansichtskarten
Für alte Tanten, die d’rauf warten
Obwohl Dich schon Papier und Porto reut

Doch’s könnt ja sein, dass welche sterben
Und dann möchte man was erben
Das wär doch mal ne echte Weihnachtsfreud

Ist es nicht die schönste Zeit des Jahres?
Weihnachten hat immer sowas Wahres
Und sind Sie auch gestresst und ein bißchen gehetzt
Nehmen Sie’s leicht und: freuen Sie sich jetzt!

Und dann singen drei Tenöre
Und ein Haufen Kinderchöre
Ist im Playback immr einen Schlag zu spät

Alle Menschen haben’s eilig
Und Verkäufer tun so heilig
Und verkaufen Dir nen Gutschein für ne Präventiv-Diät

Und es funkeln in der Ferne
Postmoderne Weihnachtssterne
Doch zum Glück tat Kitsch noch keinem Weh

Ein schöner Weihnachtsmann mit Schlitten
Mariah Careys geile Titten
Auf der neuen Christmas Jingle Bells CD

Ist das nicht die schönste Zeit des Jahres?
Haben Sie vielleicht noch etwas Bares
Alles sind so friedlich und stellen sich ergötzt
Und darum: freuen Sie sich jetzt!

Die Chirurgie macht Aktion
Für Organtransplantation
Zum Preis von einer Leber gibt’s zwei Nier’n

Und sogar die Hare Krishnas
Singen jetzt mal Hare Christmas
Wenn sie barfuss auch im Schnee ein bißchen frier’n

Alle Bände von Adorno
und dazu ein Weihnachtsporno
Ist bei Karstadt jetzt im Sonderangebot

Einen Haribo-kalender
André Rieu auf jedem Sender
Ein altes Osterei springt einsam in den Tod


Fridolin
Text: Sandra Kreisler;
Musik: Sandra Kreisler & Roger Stein

Es war am Weihnachtsabend letztes jahr in Kassel
Da hatte Fridolin das Ganze endlich satt
Er war schon ziemlcih lang gefangen im Schlamassel
Er hatte Husten, und er fühlte sich recht matt.

Da lag er ganz allein auf seinem harten bette
In einem Kellerraum der leeren Sargfabrik
und sehnte sich nach einer Zigarette
Und seine Zunge fühlte sich krank sich an, und dick.

Er fror, und hörte draussen Leute
denn sehen konnte er nur ihre Schuh -
nach Hause hasten mit der Einkaufsbeute.
Die letzte U-bahn kam, und bald drauf herrschte Ruh.

Und endlich sieht er durch die Fenster- Scherben

Die dicke Hausfrau kommen, die hier täglich geht
Er weiss, die Frau wird heute sterben
Es ist am Weihnachtsabend, und es ist schon spät.

Unser Fridolin verschwindet  in der Gasse
Und der Schnee verschluckt ergeben seinen Tritt
Kurz drauf hört er, wie die schwere Körpermasse
der Dicken vor ihm bebt und schnauft mit jedem Schritt

Fridolin schnalzt  leise mit der Zunge,
und er hält sich tief im Hauseingang versteckt
Dann sticht er zu, von hinten, tief in Herz und Lunge
Ein kurzes Röcheln, dann ist sie verrreckt.

Der viel zu dünne Fridolin zerrt hastig
die Dicke hinter sich durch tiefen Schnee
Er ist nicht sehr geübt in der Gymnastik
Und sie ist schwer, und ihm tut alles weh

Als er sie dann in seiner Heimstatt hatte
Nahm er das blut’ge Messer abermals heraus
Und er schneidet tief in ihre glatte
Und feiste Haut ein Loch, das Fett quillt jetzt heraus

Und er wühlt in einer Ecke seiner Bleibe
Zwischen Plastik, Schmutz, und Stoffresten herum
Heute kann er die Dunkelheit vertreiben
heute  Abend ist das Licht sein Eigentum

Mit dem langen Fetzen einer  alten Hose
Taucht er tief hinab in ihres Bauches Loch
Und mit ihrem Fett tränkt sich die ganze Chose
Und so hat er einen selbstgebauten Docht

Und die tote Frau liegt nun gebraucht als Kerze
Denn zum Essen war ihr Fettgürtel zu dick
Unser Fridolin hat Weihnachten im Herzen
Im Keller seiner leeren kalten Sargfabrik

Und so leuchtet dann an diesem Heilig Abend
seine karge Kammer weihnachtlich im Lichterglanz
Sie erhellt ihm seine Stube und erwärmt ihm sein Gemüt
Und in seinem kleinen Leben
ist ein Weihnachtsstern erblüht.



Der Zug
Text & Musik: Roger SteinMein Sitz ist etwas kalt, Schnee noch in den Haar’n
Dass jetzt ne Türe knallt, heißt nicht, dass wir bald fahr’n
Signal steht längst auf grün, wer lässt uns hier verwaisen
Vorn sieht man ne Flamme glüh’n, die Arbeiter die Weiche dort enteisenEin Mann mit einer Mütze sagt, heute wird es spät
Keiner da, der sich beklagt, weil ohnehin kein Anschluss geht
Und endlich ruft er was, ein Ruck, der Wagen pfeift
In der Bewegung spürt man dass das Eisen richtig greiftUnd wir fahren, und wir fahren
Und ich sitze hier am Fenster ganz allein
Und wir fahren, und wir fahren
In einen ganz normal verschneiten Tag hineinHinter uns die Autobahn und vor uns das Massiv
Ein altes Echo trifft auf uns, es klingt ein wenig schief
Wie schwer die Räder dreh’n, die Hütten werden ärmer
Der Schaffner will kein’ Fahrschein seh’n, dreht nur die Heizung wärmerUnd wir fahren, und wir fahren
Und ich sitze hier am Fenster ganz allein
Und wir fahren, und wir fahren
In einen ganz normal verschneiten Tag hineinWiesen liegen unbefleckt, im Tiefschnee keine Spuren
Langsam zieht der kleine Zug vergessen durch die Fluren
Da steh’n beim Gatter dort zwei bucklige Gestalten,
die Jungen ziehn hier alle fort, wer bleibt, sind nur die AltenUnd wir fahren, und wir fahren
Über Schutt und Fels und and’res Urgestein
Und wir fahren, und wir fahren
In einen ganz normal verschneiten Tag hinein Täglich fährt die eine Bahn bei Sonne, Schnee und Eis
Hinauf und dann zurück dasselbe Schmalspurgleis
So zieht die kleine Lok bergan mit ihrem Wagen
Sie ist Baujahr 48, also, was soll man da schon sagen……


Marie
Text & Musik: Oliver VollmannSie war nicht schön und nicht gescheit und auch das Haus aus dem sie kam
War alles and’re als Mama es gerne hätte
Sie war nicht reich und nicht berühmt und weder fromm noch arbeitsam
Und auch gewiss schon früh entjungfert, jede WetteSie trank gern Bier und rauchte viel und fluchte oft und war auch laut
Und ihre Achselhaare hat sie nie rasiert
Sie stank nach Schweiss und altem Fett und zeigte jedem ihre Haut
Und kratzte sich auch tief im Schritt sehr ungeniertMan sah sie sehr oft in der Nacht auf jener Strasse vor dem Haus
In dem die Männer aus dem Dorf so gerne zechten
Dort stand sie manchmal beinah nackt und kotzte alles aus sich raus
In jenen überlauten, seelenlosen NächtenWoher sie kam war nie geklärt, man wusste nur von einem Sohn und einem Mann
Der Mann hieß Josef oder so
Man hat die Beiden nie geseh’n, der Sohn, so flüsterte man dann
Sei längst gestorben, irgendwie und irgendwoMarie, in Deiner Haut möcht  ich nicht stecken
Marie, Du hast wohl sehr viel mitgemacht
Marie, auch Du wirst eines Tags verrecken
Marie, lass mich Dich vögeln, heute NachtMan sah sie sehr oft in der Kirche, still versunken tief in sich
Und immer vor derselben alten Pietá
Dann hörte man sie manchmal kichern, und das klang so widerlich
Warum der Pfarrer das nur immer übersah ?Marie stiehlt grade eine Zeitung als ich um die Ecke biege
Und auf einmal ziert ein Lächeln ihr Gesicht
Und es geht die Sonne auf, derweil ich ihr zu Füssen liege
Und ich bete, nur warum, das weiss ich nichtIhre Hüften duften herrlich, ihre Brüste hängen tief
Ein paar Leute bleiben steh’n und müssen lachen
Und ich bitte sie um Gnade, und ihr Lächeln wird lasziv
Und sie sagt: „Was machst du dumme Kuh für Sachen?“Und wir geh’n in ihre Stube und wir sprechen keinen Ton
Bis sie sagt: „Jetzt zieh Dich aus, und dann genieß“
Meine Augen stellen Fragen, und sie sagt: “Ich bin der Klon
Von jener Jungfer, die einst auch Maria hieß.“Marie, in Deiner Haut möcht ich gern stecken
Marie, was hast Du nur mit mir gemacht?
Marie, auch ich werd eines Tag’s verrecken
Marie, lass mich Dich vögeln, heute Nacht Als wir erwachten, war es Sommer und ich kannte ihren Schmerz
Und jenen Geist, der sie so trieb, der sie so drängte
Und es kam ein langer Winter und es traf mich tief in’s Herz
Als ich zu ihr kam, kurz nachdem sie sich erhängteSie konnte es nicht mehr ertragen, Klon zu sein von jener Frau
Mit deren Mythos alle Welt soviel bezweckt
Marie versuchte zu entkommen, denn sie fühlte sehr genau
SIE wollte leben, und zwar möglichst sehr beflecktMarie, in Deinem Sarg will niemand stecken
Marie, Du hast es hinter Dich gebracht
Marie, wir werden alle bald verrecken
Marie, ich liebe Dich seit jener Nacht



It’s Christmas
Text & Musik: Roger Stein


It’s Christmas – It’s Christmas

It’s Christmas – It’s Christmas

Jetzt sitzt Du schweigend neben mir, während wir vorwärts roll’n
Dabei bleibt doch offen wohin wir wirklich woll’n
Hell sind draußen alle Wege, und hier: geheizt und still
Eben noch zwei fremde Pole träumt man sich wohin man will
Uns’re Wünsche unvollendet, wie die neunte Symphonie
Lichter zieh’n vorüber -  nur ne Durchgangsharmonie
Deine Hände durch die Scheibe reflektiert
Ein altes Wort ganz gross auf graue Wände reflektiert

It’s Christmas – It’s Christmas
It’s Christmas – It’s Christmas


Mein Herz steht hart auf offen und hat nicht bis morgen Zeit
Denn man verwechselt Wärme gerne mit Geborgenheit
Wie zwei Strassenkinder im weiten Lichtermeer
Ich hätte danach Heimweh, wenn es mir nicht peinlich wär
Wir sind nicht die Ersten, nicht die Letzten dieser Welt
Man wär gern was Besond’res und bleibt doch nur Mittelfeld
Das schöne Lied, das da ne fremde Stimme singt –
Ich bin gern der dumme Clown, der Dich leis’ zum Lächeln bringt

It’s Christmas – It’s Christmas

It’s Christmas – It’s Christmas

Da vorne kommt die Brücke, die Strasse ist hier schmal
Und hundert Meter tiefer fließt ein guter Fluss in’s Tal
Da drüben ist es heller, und bald fällt auch wieder Schnee
Und wenn wir einmal fliegen tut der Aufprall gar nicht weh…..

© Wortfront 2008