Kulturkraftwerk Goslar (10.6.09)

Das einzige, was so richtig schade war an dieser Show: Wir hatten keine Zeit, uns das Weltkulturerbe Goslar anzugucken. Aber alles - und ich meine: ALLES! - andere war perfekt. Nicht nur das Kulturkraftwerk mit dem hoch-charmanten Tristan Niewisch (uiuiui, war DER charmant!!) und seinen mehr als nur gastfreundlichen Frauen und Männern, die uns gehätschelt, gefüttert und getränkt haben, wie man es sich nur wünschen kann.
Nicht nur die coole Bühne und das unglaublich warmherzige, aufmerksame, kluge und humorvolle Publikum. Nicht nur all das war mehr als perfekt.
Was uns natürlich (als typisch eitle Künstler, hehe) am allermeisten auf Wolke Nr. 85 katapultiert hat, war, dass wir nun, mit Paolo und Ulrich als neuen Bandmitgliedern endlich den Sound erreichen konnten, den bisher der Computer bestenfalls erahnen liess - und der genau der Sound ist, den wir wollen. Wir konnten erstmals gemeinsam mit einem unglaublich entgegenkommenden Publikum erleben, wie es WIRKLICH klingt, was immer schon gemeint war.

Und Tristan und das Kulturkraftwerk haben dieses Erlebnis durch ihr Entgegenkommen, ihre künstlerische Aufgeschlossenheit und ihren Wagemut erst ermöglicht.
Dafür sind wir unendlich dankbar!

Jetzt heisst es: Neue Lieder entwickeln, noch tiefer in unser Klang-Wort-Inhalt-Universum eintauchen. Denn jetzt wissen wir: Wir sind zu Hause.

(Obwohl - fast hätte ich es vergessen: Noch etwas war schwierig. Am Hinweg war einer unserer kleinen Hunde ... äh ... indisponiert. Und hat uns den Tourbus vollgekotzt.)



Die Zeit.... (29.5.09)

...läuft uns davon. Es hat sich sooo viel getan in den letzten Monaten, und wir hatten einfach keine Minute Luft, um Euch hier ein wenig auf dem Laufenden zu halten.

Die Show in Wilhelmshaven war extrem fein, das Pumpwerk ist aber auch ein Haus, das sich alle Städte Deutschlands wünschen können! Vielen Dank hier an alle, die uns die Zeit dort so versüsst haben!

Dann ging's gleich zurück nach Berlin und wir haben volle Kanne angefangen, die neue Show zu erarbeiten. Es ist echt verblüffend, wie anders die Songs werden, wenn nicht mehr ein Computer dazu spielt, sondern ein echter (und noch dazu so guter!) Schlagzeuger aus Fleisch und Blut!  Ausserdem ist Paolo  mit seinem "heissem Blut" gut kompatibel mit uns beiden - es ist laut, es wird viel gelacht und durcheinander geredet, und keiner hält mit einer Meinung hinter'm Berg. Das macht Spass!

Ulrich kommt gleich mit 3 Instrumenten, einem "normalen" Cello, einem eCello und einem Bass-Cello (eine Oktave tiefer) - und damit ist der Cellopart noch viel spannender und vielschichtiger. Und ein neues Lied gibt's auch schon wieder - wir haben beschlossen, das erste Lied vom kommenden Album gleich bei den nächsten Gigs auszuprobieren. "Auf der Reise" heisst das Lied. Es ist ein bisschen kompliziert, alle probentechnisch unter einen Hut zu bekommen, denn Paolo hat sowieso hier in Berlin einen vollen Terminkalender, neben "seiner" Jazzband Takabanda und -x anderen Auftritten noch so viel zu proben, und Ulrich muss immer aus Göttingen anreisen, was auch nicht soo einfach ist - aber wir kriegen's hin und vor allem: Wir haben einen Riesenspass beim Proben!  Die Lieder schmecken völlig neu, und man kommt auf wunderbare Ideen!

 



Tollhaus & Kulturzentrum Brackenheim (23.3.09)

Die ersten Shows mit Tobias  in der Besetzung Cello/Kontrabass liegen also hinter uns. Noch etwas erschöpft sitze ich also hier, und lasse Revue passieren.

Zunächst das Wichtigste: Cello & Kontrabass klingen extrem gut, ganz anders und noch etwas "tiefer" geht die Musik in die Seele -  die Mischung der beiden Instrumente ist wundervoll! (Dank auch an Charlotte und Ouzo - ohne ihre Kunst und Geduld in den Proben und den Supersound bei den Shows wäre es nicht möglich gewesen!) Wir hatten gehofft, dass es eine schöne Klangmischung gibt, wussten aber: das geht NUR, wenn man mit einem Kontrabassisten arbeitet , der sein Fach mehr als nur beherrscht! Dieses Instrument kann  alle Register ziehen, und sogar fast wie ne Geige klingen - aber dafür ist weitaus mehr als  höchstes Können des Musikers verlangt, denn da ist nix mehr mit "cool dastehen und bissel zupfen", da wird gestrichen und gearbeitet, man muss von ganz unten bis ganz oben greifen und das heisst auch: allein schon die körperliche Arbeit ist eines Akrobaten würdig, ganz abgesehen von dem musikalischen Gespür, das nötig ist!

Tobias Lampelzammer, meine Damen und Herren, ist ein absolutes Genie an seinem Instrument, und ich verstehe, warum sich die Philharmoniker in Berlin und das Gewandhaus in Leipzig und die Kammerakademie Potsdam um ihn streiten.
Und dann wollen wir auch die klitzekleine Kleinigkeit nicht übersehen, dass Tobias einer der entzückendsten Menschen ist, die wir seit langem kennengelernt haben. Wir sind SEHR traurig, dass wir nur selten die Freude haben werden, ihn in unserer Mitte zu sehen, denn wir haben uns nicht nur musikalisch sondern auch menschlich richtig in ihn verliebt.

Das Tollhaus gab uns, was der Deutschlandweit bekannte Name Tollhaus verspricht: Höchste Qualität, freundliche Aufnahme, rundherum Perfektion. Eine Freude, dort zu arbeiten! Ein wirklich wunderschönes Haus, professionelle Menschen, es gibt kein Stäubchen, was auch der böswilligste Menschen zu bemängeln fände. Kein Wunder, dass das Haus immer grösser wird - wir wünschen jedenfalls von ganzem Herzen für den anstehenden Zubau (eine Halle für über 700 Menschen) grossen Erfolg, und hoffen sehr, wieder einmal dort gastieren zu dürfen!
Das Kulturzentrum Brackenheim war ganz anders - und dennoch um nichts weniger professionell und beglückend. Dort arbeiten alle ehrenamtlich, es ist in einem sehr alten Gemäuer untergebracht, wunderschön gelegen - romantisch und dennoch innen mit allem ausgestattet, was das Herz begehrt. Das ist es auch, was uns so besonders berührt hat: Alle arbeiten wie gesagt ehrenamtlich, haben also auch "Hauptjobs" - dennoch wird dieses Haus geführt, als gäbe es nichts Wichtigeres im Leben des Teams. Wir wurden aufgenommen wie die lang vermissten Kinder: Es bogen sich die Tische mit Esswaren, sogar für unsere Hunde war gesorgt (!), nach der Show wurde extra noch warme Küche herangeschafft, und zwar von memorabiler Qualität, und an einer langen Tafel, die eigens im Theatersaal aufgebaut wurde, hatten wir nachher noch ein richtiges Fest! Licht und Tonanlagen, Garderoben etc sind vom Feinsten - Grossstadtqualität, mindestens! Und das alles eben in einem Haus, das in einem sehr kleinen Städchen, um nicht zu sagen "Dorf" quasi als Hobby geführt wird. Das hat uns SEHR das Herz erwärmt, dass Kultur, dass Theater & Musik so einen Stellenwert haben, auch abseits von den üblichen Routen. Man muss echt sagen, nicht nur das Tollhaus, nein, ganz genauso auch das Kulturzentrum Brackenheim sind absolut erste Adressen!

Nach solchen Tagen sind wir immer wieder auf's Neue dankbar, dass wir einen Beruf (und eine Berufung) haben, der uns immer wieder so überaus warmherzige, gescheite, engagierte, professionelle und fleissige Menschen treffen lässt! So etwas gibt den Glauben an die Menschheit zurück.

Und dass wir wieder mal neu mit Bärlauch in allen Wachstums-Stadien eingedeckt wurden (sogar auf der Motorhaube unseres Autos fanden wir einen Topf mit Bärlauch), und dass wieder einmal unser höchsteigener Fanclub in voller Stärke extra angereist kam - gute Gespräche nach der Show, so viel Lachen und Wärme,  all das sorgt dafür, dass wir immer das Gefühl haben, wir kommen überaus reich beschenkt aus jeder Vorstellung weider nach Hause!

 

 



Die Schweiz (7.3.09)

Auf Einladung der UBS Kulturstiftung sind wir nun also in Zürich gewesen. Und weil es keine "öffentliche Veranstaltung" in dem Sinne war, kann ich auch nicht so viel darüber berichten.

Aber für Kollegen, die das hier lesen, die Warnung: Es ist sehr klug, mit seinem  Equipment vorher schon beim Zoll der Heimatstadt das (uns jetzt unvergessliche) Carnèt ATA zu besorgen, auszufüllen, das Equipment von einem Zollbeamten persönlich überprüfen und dann abstempeln zu lassen: Jedes einzelne Teil, das mitgeführt wird, muss nummeriert und mit Seriennummer angegeben werden. Knapp 70 Einzelteile waren das für Licht und Tonequipment - nicht gerechnet jedes Kabel, jede Steckdose, in den Koffern und Cases!
Das ist zwar ein ziemlicher Tort - aber Rogers Voraussicht ersparte uns lange Wartezeiten und schmerzhafte Extrakosten an der Grenze. Es zahlt sich also echt aus, hier genau informiert zu sein.
Man vergisst allzuleicht, dass die Schweiz Europäisches Ausland ist - einfach so juhuu mit ein paar Boxen und Kabeln losfahren, geht ziemlich nach hinten los.
(Ebenso übrigens, wie nicht daran zu denken, dass es in der Schweiz andere Steckdosen gibt, und andere Drehstromwerte.)

Die Fahrt allein hat uns dann auf's Neue darin bestätigt, wie glücklich wir darüber sind, dass wir Anna und (leider nur noch für ein paar Monate, sie wandert nach Australien aus) Charlotte für Wortfront gewonnen haben. Selten, dass man 9 Stunden Autobahn so geniessen kann!!

Wir hatten nur 20 Minuten Auftritt im Rahmen dieser Gala, und zwar in einem wunderschönen Backsteinbau inmitten eines Parkes, im Museum Rietberg. Leider sind die Eventmanager des Museums nicht wirklich geeignet für ihre Arbeit, da lag einiges im Argen, auf das ich jetzt nicht im Detail eingehen möchte - aber die Veranstalter selbst, also die Menschen von der UBS-Kulturstiftung, haben mit ihrer überbordenden Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft alles wieder wett gemacht. Und für diese haben wir uns den Stress ja auch angetan: Selten so eine unkomplizierte, künstlerisch intelligent agierende und sinnvolle Fördereinrichtung kennengelernt!

Am nächsten Tag haben wir dann noch gaaanz viel herrlichen Käse eingekauft, und zurück ging's. Alles in allem doch ziemlich anstrengend, aber wir haben es trotzdem sehr genossen.

Jetzt sitzen wir an neuen Liedern, das erste ist schon fast präsentabel, und es wird, der Jahreszeit und der Stimmung entsprechend, ein Frühlings-Liebeslied.



Eschborn K (9.2.09)

Ein kleines Städtlein im Schatten der Frankfurter Bankentürme, das sich seinen seinen Charme der Fachwerkhäuser bewahren konnte. Am Abend davor ein wirklich wunderbares Essen in der Bauernschänke, die mit (wir kennen uns da aus!) wirklich echter böhmischer Küche unsere Sentimentalität erwecken konnte, und uns ein grosses Lächeln auf's Gesicht zauberte.

Und es ging in dem Stil weiter. Obwohl der humorvolle und warmherzige Chef des Eschborn K, Elmar Ernst, hauptberuflich bei der Essener Polizei arbeitet, nahm er es nicht so übergenau mit unserem Rider, er guckte ihn sich an, lächelte, und dachte sich: "Wird schon passen".  Und damit hatte er Recht. Sicher, ein paar leuchtende "Töpfe" mehr hätten vermutlich das Licht erst so richtig professionell werden lassen, und wenn das Theater Vorverkauf hätte (Huch? Ja, ein Theaterchen, wo es ausschliesslich Abendkasse gibt, ein Anachronismus, der aber funktioniert.) hätten wir vielleicht weniger um den Besuch gezittert - aber es war ja dann eh voll. :-)

Wir hatten uns indes über die Gegebenheiten g'ttlob rechtzeitig informiert, und so hatten wir unser Tourmobil schon mit Boxen und Kabeln und was man so für einen guten Sound noch braucht vollgestopft - und dank der Hilfe der mehr als grossartigen, ja wirklich perfekten (!)  Ouzo an den Reglern konnten wir doch auf der kleinen Bühne qualitativ perfekten Sound liefern.

Das perfekteste aber am Eschborn K war das Publikum! Wir wurden schon in den ersten Momenten mit Lachen und Freude begrüsst, und wenn einem so viel Aufmerksamkeit, Wärme und Humor entgegenschlägt, kann man auch auf der Bühne nicht anders als glänzen. Dementsprechend wurde der Abend im Eschborn K zu einem wirklichen Genuss für uns alle. Anna und Charlotte waren in Höchstform wie immer, und Rogers philosophische Überlegungen zum "Deutsch 1.4" das in der Schweiz durch die Verweigerung einiger Lautverschiebungs-Updates bis heute gesprochen wird, waren wie all seine Überlegungen (ich sage nur: "Bedienungsanleitungen") auf den Punkt gebracht.

Jetzt verabschieden wir uns wieder für einige Zeit in die Versenkung, um die  Weiterentwicklung der Arrangements und die Geburt neuer Lieder voran zu treiben.

Vielen Dank an Eschborn, es war ein Genuss und ist eine wunderschöne Erinnerung - und ein Versprechen: Wir kommen bald wieder!



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